Bali – Die Insel der Dämonen
Sexualisierte Körper der Südsee
„Ich habe Mädchen und Frauen im Bade gesehen, wenn die schönen, schlanken Körper wie belebte Bronzen im Sonnenlichte glänzten; ich habe ihre fröhlichen Spiele beobachtet, ihre Ruhestunden belauscht (…) – immer waren ihre Körper beseelt, von naiver, selbstverständlicher Grazie verschönt. (…) – Blumen und Frauen gehören zusammen auf Bali“ (Lola Kreutzberg, Die schönen Frauen von Bali)
Zwischen den Weltkriegen gab es einen regelrechten Bali-Boom, der in Deutschland vor allem auf die Bildbände von Georg Krause zurückging. Texte und Bilder präsentierten den europäischen Leser:innen eine paradiesische, vermeintlich unschuldige Alternative zum krisengebeutelten, seiner selbst überdrüssig gewordenen Europa. Dabei wurden vor allem die nackten Körper der balinesischen Männer und Frauen inszeniert: „Unschuldige – harmlose – selbstverständliche Natürlichkeit des die Nacktheit gewöhnten Primitiven“ (Krause).
In den USA macht der Hayes Code einen Unterschied zwischen „zivilisierter“ (womit die Nacktheit weißer Körper gemeint ist) und „unzivilisierter“ Nacktheit. Der Film „Virgins of Bali“ (1932) besteht vor allem aus Aufnahmen von nackten, minderjährigen Mädchen, ist ein großer Erfolg und beflügelte den Bali-Tourismus männlicher Amerikaner. Der Erzähler des Films fasst die Fetischisierung der weiblichen Körper in ähnliche Worte wie Kreutzberg: “two of the fairest flowers of a handsome race (…) bathe their shamelessly nude bronze bodies in the refreshing though murky waters”
Lola Kreutzberg widmete der Insel eine ganze Reihe von Filmen, u.A. „Wunderland Bali“ (1926), „Der Tanz der Todesgöttin“ (1930), „Menschen- und Affentänze Asiens“ (1932), „Bali, die Insel der festlichen Arbeit“ (1932).
Friedrich Wilhelm Murnau plant nach „Tabu“ (1931) ebenfalls einen Bali-Film, mit dem befreundeten, auf Bali lebenden Maler Walter Spies, kommt allerdings vorher durch einen Autounfall ums Leben. Spies ist auch mit Vicki Baum befreundet, die für den Roman „Liebe und Tod auf Bali“ (1937) auf dessen kulturelles Wissen zurückgreift.
Vortrag von Gerlinde Waz: „Zwei Frauen auf Expedition nach Afrika und Asien – Gulla Pfeffer und Lola Kreutzberg“
Ausschnitt 1
Ausschnitt 2
Eine hitzige Diskussion zwischen Gerlinde Waz und einer Besucherin, die „white feminism“, „cultural appropriation“ und ähnliches vorwirft – was Waz gut kontert und integriert. Das würde die Besucher:innen der Ausstellung sehr authentisch in die Debatte werfen.

